FC Planlos '05 Karlsruhe » Reisebericht – Passau->Wien


Passau – Der FC Planlos stellte sich am vergangenen Wochenende einer neuen sportlichen Herausforderung: dem Donauradweg von Passau bis nach Wien, einer Distanz von ganzen 320 Kilometern. Zwischen Donnerstag dem 08.05 und Sonntag dem 12.05 begaben sich F. Riatti, M. Riatti, Svoboda, Pach und Bajura auf eine Reise in das Herz Österreichs, und gleichzeitig auf einen Trip der Besinnung. Zumal vieles anders kommen sollte als zunächst geplant.

 

08.05, Donnerstag:

Die Vorbereitungen wurden am Vorabend abgeschlossen und erste Mängel an der Ausrüstung festgestellt. Die Fahhradtaschen ließen wenig Platz für Phantasie und noch weniger Platz für Unterhosen. Der für das Material Veranwortliche, M. Riatti, bekam eine erste Mahnung vom Vorstand als sich auch die Fahrräder als dürftige Entschuldigungen veralteter Drahtesel herausstellten. Dennoch ging man die Reise enthusiastisch an.

Unter strahlendem Sonnenschein radelten die Athleten über die Donau aus Passau heraus. Die Stimmung war mindestens so gut wie das hervorragende Wetter. Nach einer Stunde musste jedoch der erste Rückschlag verkraftet werden. Bajura zwang das eigene Fahrrad in die Knie: der Schlauch des Hinterreifens hielt der geballten Wadenkraft des polnischen Bullen nicht stand und so musste am Streckenrand repariert werden. Die Stimmung litt stark unter dem Vorfall, da man zur eigenen Verwunderung festellen musste, dass sich der FC Planlos ohne Werkzeug auf die Reise gemacht hatte. Glücklicherweise halfen andere Radfahrer aus und so konnte die Radtour mit kurzer Verzögerung fortgesetzt werden.

Auf dem Weg zur Fähre an der Donauschlinge offenbarten sich weitere Mängel der Fahrbaren Untersätze: springende Ketten, zu tiefe Rahmen und Sattel, Achter in den Reifen. Überhaupt stellte sich schon sehr früh heraus, dass das Radeln doch eine anstrengendere Angelegenheit ist, als gedacht.

Den Unerfreulichkeiten zum Trotz schafften es die Süßwasserathleten über Aschach und den zwei besten Radlern in der Geschichte der hohen Braukünste, Linz im Sonnenuntergang zu erobern. In der Jugendherberge über der Stadt wurden die wunden Ärsche kuriert. Das abendliche Ausklingen in besinnlicher Atmosphäre auf dem Linzer Rathausplatz schloss den ersten, sehr schönen Tag ab.

 

09.05, Freitag:

Mit einem Fass Penaten-Creme zwischen den Backen ging es auf die zweite Etappe. Bereits am Stadtausgang von Linz wurde der belgische Zirkel erprobt und zur Perfektion etabliert. Der Geschwindigkeitszuwachs der neuen Teamorientierten Technik wurde auf 0,2 km/h geschätzt, bei extrem gesteigertem Unfallpotential. Nichtsdestotrotz bewies die planlose Gummibärenbande eiserne Disziplin und fuhr sich im Rausch zum Etappensieg: innerhalb von drei Stunden wurden 55 Kilometer erstürmt. Lediglich Svobodas Kräfte neigten sich dem Ende zu, Kräfte die er, wie der Rest der Mannschaft jedoch an einer glücklichen Raststätte mit Kraftvoller Brühe, Risotto und Buiscuit-Kuchen wieder nachladen konnte.

Nach dem sonnigen Morgen des 09.05 neigte sich das Glück des FC Planlos dem Ende entgegen: dunkle Wolken zogen auf über den Ländern Sissis und Franz‘. Ohne die wärmenden Strahlen der Sonne zweifelten die Athleten an ihren Kräften und tatsächlich musste lediglich 15 Minuten nach der schonenden Rast ein Verlust hingenommen werden:

Presidente, F. Riatti – der ausgerechnet kurz zuvor erzählte, wie er in Schulzeiten dem Cooper-Test auswich in dem er „ausversehen“ umknickte und den Lehrer belog, nicht mehr Laufen zu können – vermeldete Schmerzen im Kniegelenk. Allen Versuchen zum Trotz verhalfen auch Svobodopers Wunderpillen (für sportlich umstrittene Leistungssteigerung, gegen Schmerzen, gegen Pickel, gegen Krebs) nicht aus. Der Presidente erklärte nach 1,5 Stunden den persönlichen Abbruch. Mit weiteren 1,5 Stunden bis zum Etappenziel in Pöchlarn musste er aber entgegen aller Schmerzen durchhalten. In der Verzweiflung um den Gesundheitszustandes des Vereinsgründers suchte man frenetisch nach Abkürzungen und Schleichwegen, letztenendes war aber alles vergebens: der Presidente musste leiden.

Eine Stunde vor dem Ziel wurde der Reifendruck für zu tief befunden. Professore Bajura, oder auch – der Fahrradflüsterer – entschied in seiner Weisheit nachzubessern. In einem Österreicher Supermarkt mit Werkzeug und Fahrradabteilung wurde man eines Kompressors fündig. Was folgte ging in die Geschichte als „Das Fiasko vom Hill 64“ ein. Bajura maß seinem Rad einen Reifendruck von 6 Bar zu. Der Schlauch war davon nicht begeistert und machte sich selbstständig. An den Ohren Svoboda und Bajuras explodierte dieser und rief Vietnam-Flashbacks in die Augen der Beteiligten. Mit verstörten Gesichtern taumelten sie aus der Gefahrenzone, Bajura setzte kurz darauf ein debiles Grinsen auf und spielte den Vorfall mit einem Lachen klein. M. Riatti war einem Nervenzusammenbruch nahe, die Verstörung über den polnischen Erstschlag wurde durch den jetzt herabprasselnden Regen verstärkt. Mit dem Verletzten im Gepäck rückte Wien, ob der neuen Umstände, in unendliche Ferne.

Dank eines technischen Meisterwerks konnte F.Riatti die Kraftverlagerung auf ein Bein reduzieren. Dafür klebte er sein heiles Bein am Pedal fest und trampelte fortan nur noch mit diesem. Wie behindert und lächerlich er dabei auch aussah, hatte er so doch die Passage nach Pöchlarn gesichert.

Unter strömenden Regen erreichte man das letzte Loch an der Donau: Pöchlarn. Pöchlarn ist historisch vor allem für die vermutlich höchste Selbstmordrate in Österreich bekannt. Diese Stimmung überkam auch die Athleten des FC Planlos. Gereizt nahm man die Tatsache hin, dass die Radtour zu einem Ende kommen könnte. F. Riatti vermeldete, nicht mehr fahren zu können und das schlappe 120 Kilometer vor dem finalen Ziel. Mit dem schlechten Wetter und der katastrophalen Ausrüstung im Hinterkopf entschied man sich zur Solidarität: die Regionalbahn sollte die letzte Etappe überbrücken.

Damit stand auch die Abendplanung in Pöchlarn fest. Nach einem großartigen Burger-Menü bei Johnny’s gab man sich in den eigenen vier Wänden alkoholischer Völlerei hin. Besonderer Dank erging an Pachs qualitäts-Obstler für 5,99 aus dem Norma. Das teils lustig und teils traurige Besäufnis in einem Pöchlarner Apartment markierte gleichzeitig den Tief- und Höhepunkt der Reise oder eher den höchsten Tiefpunkt.

M. Riatti war darüber derart empört, dass er erst einmal ins Treppenhaus, respektive Waschbecken, kotzte und feststellen durfte, dass österreichische – oder vielleicht auch nur Pöchlarner – Leitungen dünner sind als die üblichen deutschen. Eine Klempneraktion später hatte auch M. Riatti seinen peinlichen Passau-Wien-Moment überstanden.

 

10.05, Samstag:

Der richtige Alptraum begann in Pöchlarn erst nach dem Erwachen. Das seelenraubende Dorf verfluchte den FC Planlos, der unglücklich den ersten Regionalzug verpasste und so zwei geschlagene Stunden festsaß. Unter bedrückend bedecktem Himmel gab es ein improvisiertes Schrippen-Frühstück auf dem Vorplatz des Pöchlarner Bahnhofs. Anfänglich konnte man sich noch im Spiel mit den leergetrunkenen Kakao-Tetrapacks vergnügen – Mülleimer Zielschießen – anschließend musste man der Langeweile bei einem Tässchen Brause ausweichen.

Kurze Zeit später fand man sich auf dem Schienenweg nach Wien wieder. Die Planlosen nutzten die Auszeit um sich auf den Bänken des Regionalzugs auszustrecken und holten den verzechten Schlaf der letzten Nacht nach. Für einen Aufreger sorgte der aufmerksame Schaffner, der Bajura darauf hinwies, dass dieser das Vierfache des nötigen Preises für die Tickets bezahlt hatte. Bis zum Ende des Wochenendes wurde dieser Tatsachenbestand vor Pach geheim gehalten, der Bajura ursprünglich auf eventuelle Möglichkeiten von Gruppentarifen und dem dortigen Einsparpotential hingewiesen hatte.

Der Regen folgte bis nach Wien. So bezog man die Pension am Bahnhof und stellte sich dem Wetter um die Stadt zu erkunden. Die durch die Zugfahrt gewonnene Zeit räumte die Möglichkeit der kulturellen Bereicherung ein. Wien ist eine wunderschöne Metropole die hinter jeder Ecke mit Monumenten aus einer anderen Zeit verzaubert. Die Planlosen kamen aus dem Staunen nicht raus. Auf dem Wiener Prater wurde die beim Radtourabbruch verlorene kompetitive Komponente nachgeholt. Beim Zielschießen, Dosenwerfen und Kugelversenken offenbarte sich, dass Vater Staat über die Ausmusterungen oder Kriegsdienstverweigerungen sämtlicher Planloser Athleten froh sein konnte.

Mit der Dämmerung begab man sich in das Gerhard-Hanappi-Stadion, um der Begegnung Rapid Wien vs. RZ Pellets WAC beizuwohnen. Höhepunkt der Partie blieben die „Vorstand raus“-Protestschreie der Rapid-Fans. Fans die sich über 90 Minuten die Blöße gaben und davon absahen, die Heimmannschaft zu unterstützen.

 

11.05, Sonntag:

Das Frühstück fiel peinlich unterernährend aus, erfüllte aber den Mindeststandart der von der Genfer Konvention verlangten Wahrung humaner Rechte.

Auf der Rückfahrt wurde sich der „Quo vadis, FC Planlos?“ Frage angenommen. Deren Ergebnis allerdings den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen würden.

Ein Zwischenstopp zum Umsteigen, Almdudler und Apfelstrudel tanken im kleinen aber feinen Welz stellte den letzten Moment gemeinsamer Teamfindung dar.

Das Wochenende nach und in Wien endete mit der Rückkehr am Passauer Bahnhof zur Mittagsstunde.

 

Fazit:

Unterm Strich lastete doch allen Teilnehmern schwer an der Tatsache, dass man sich in Pöchlarn geschlagen geben musste. Dieser Verstoß gegen eine der ungeschriebenen aber verinnerlichten Philosophien des FC Planlos, dem Anti-Kapitulationsabkommen, stellt ein Novum dar.

Ohne Zweifel hatte man dennoch eine schöne gemeinsame Zeit. Ein schönes Zeichen noch, dass trotz der erschwerenden Umstände katastrophaler Fahrräder, schlechtem Wetter, kaputten Kniegelenken keine Akkusationen länger aufrechterhalten wurden, als es den Spaß wert war. Angesichts der Hindernisse überwog die Solidarität, sodass die Radtour nach Wien vor allem eines förderte und an das Tageslicht brachte: Kameradschaft.

 

Das war Greg Brudette, FCPN, irgendwo in Niederbayern.

3 Comments »

  1. Geil! Lachkrämpfe in medellin. greg MUSS journalist werden. Bitte bei 11 freunde bewerben!

    Comment by marco — May 25, 2013 @ 00:56

  2. Danke Greg, du bist der BESTE!

    Comment by koki — May 25, 2013 @ 14:46

  3. lachkrämpfte die Zweite ! unfassbar gut shcon wieder…..das zeug muss archiviert werden !

    erinnerungen 100% treffend festgehalten – dickes THX!!

    Comment by djsvobi — May 26, 2013 @ 16:13

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