FC Planlos '05 Karlsruhe » Nachtrag: Zwei Planlose auf Tour de Suisse


Lyon - Zwei Planlose auf Tour de Suisse

Aus einer Schnappsidee wurde Wirklichkeit. Die Legende Klausenpass ist geboren. Roman S. und Robert B. zählen zu den Gründungsvätern des FCP und haben mit der Bezwingung des 1948 m hohen Klausenpass - 1.286 Höhenmeter und 22 km Anstieg – mit dem Fahrrad wieder für die richtige Rangordnung beim FCP gesorgt. Denn diese Leistung sollte vorerst vom keinem anderen Planlosen erreicht werden. Bei Ihrer Tour de Suisse fuhren die beiden beinahe schon wie Routiniers 4000 Höhenmeter in 5 Tagen.
Bei praller Sonne wurde zunächst in Spitzenzeit die Bodenseeebene hinter sich gelassen, bevor es bei 18% Steigung hinauf ins Appenzeller Land ging. Traditionsgerecht legte man sich dort im Stroh zu Bett ehe am nächsten Tag Glarus angepeilt wurde: der Ausgangspunkt für die Klausenüberquerung. Unterwegs wurden die ersten 1000 Höhenmeter überquert und erste atemberaubende Ausblicke auf die näherkommenden Alpen machten die Schmerzen und Sorgen bzw. die Angst auf den bevorstehenden Tag für kurz vergessen. Zumal eine Begegnung mit Einheimischen beim Supermarkt „Denner“ für Hoffnung sorgte „Klausi“ doch bewältigen. zu können. Nach einem anstrengenden Tag wurde bei glühender Hitze Glarus erreicht, wo man die Schweizer Gastfreundschaft schätzte. Gallus alias „Gaius Julius“ lud die JPlanlosen Jungs ein die Nacht vor dem Klausenpass in seinem Singlehaushalt zu nächtigen, da die Planlosen von allen Hotels und Gasthäusern aus unbekannten Gründen abgelehnt wurden. Und diese Nacht hatte es in sich. Roman S. schlief mit Schmerztabletten vollgedröhnt und schweißgebadet während Robert B. vor dem anstehenden Tag die Hosen so voll hatte, dass er kein Auge zu bekam. Die empfohlene Tagesdosis an Magnesium und Müsliriegel wurde um ein vielfaches überschritten, was zu häufigen Entleerungen – bei Robert B. gar zu Zerreisung – führte.
Der nächste Tag begann für beide voller Respekt und Furcht auf das kommende. Seltsamerweise kam es beim 17km Einrollen in der Ebene zu häufigen unerklärlichen Stopps;). Aber „Klausi“ begann und zwar heftig. Die Kehren waren unendlich. Kaum war eine überwunden, kam die andere zum Vorschein. Auch war die Überholung von in- die-Tage gekommenen-Fahrern für die ehrgeizigen Sportler nur schwer zu ertragen und das fehlende Hackbeil im Gepäck verhinderte schlimmeres. Nach dem ersten Teilstück trat der wundervolle Urner Boden zum Vorschein und man wollte es nicht so wirklich wahrhaben. Die Landschaft war einfach gigantisch! Nach einer kurzen Verstärkung auf dem wunderbaren Urner Boden ging es zügig in den zweiten Anstieg bevor man es sich noch anders überlegten konnte. Dabei ging es sofort in den roten Bereich, beide sahen nur noch Tunnel und die ersten Wutausbrüche ließen nun auch nicht mehr auf sich warten. Robert B. verließ der Mut als er den scheinbaren Gipfel im Blick hatte und beim erreichen feststellte, dass noch viele weitere unendlich lange Kehren bevorstanden. Roman S. hatte den absoluten Tunnelblick und bekam kein Wort heraus. Kälte, Wind und einfach nur Leere im Kopf sorgten für schlechte Stimmung im Lager. Gespräche waren in diesem Schlussteil nicht mehr vorhanden. Man konnte es einfach nicht glauben, dass dieser Berg einfach nicht enden wollte. Noch auf den Schlussmetern wurde man von einem Opi überholt, was aber die unfassbare Freude bei Erreichen des Gipfels nicht trübte. Robert B. erinnert sich noch gut an diesen Moment „Ich konnte es einfach nicht fassen als wir oben ankamen. Das Gipfelschild brachte mein Herz zum Hüpfen und endlich kam wieder Lächeln auf unsere entgeisterten, übermüdeten Gesichter. Wir waren oben und das war ein überwältigendes Gefühl!“.
Nach ausgiebigem Festschmaus mit herrlichem Blick ins Tal an eine alte Holzhütte gelehnt, ging es hinunter ins Tal des Vierwaldstädtersees. Freiheit, atemberaubende Blicke ins Tal und auf die zahlreichen Wasserfälle bei strahlendem Sonnenschein waren Balsam für die geschundene Seele und Körper. Aber die Abfahrt war auch gefährlich und schnell wurde klar, dass der Klausenpass von dieser Seite noch heftiger zu überwinden sein müsste. Selbstverständlich wurde hier die Tourenrekordgeschwindigkeit von 68 km/h erreicht.
In Altdorf bot sich ein herrlicher Vierwaldstädtersee bei traumhaftem Wetter in dem sich Robert B. beim verdienten Abendbier noch ein kurzes Bad gönnte. Die restlichen Tage iwaren hauptsächlich zur Entspannung gedacht, wobei jeden Tag Fahrrad gefahren wurde. Das Wetter blieb traumhaft. Man sonnte sich auf der Fähre auf dem Vierwaldstättersee, die den Transfer auf die andere Seite ermöglichte. Dort wartete eine Jugendherberge in Sarnen, die das letzte Etappenziel vor Luzern war. Jedoch verlief das letzte Teilstück nicht ohne Vorkommnisse: nachdem ein Halt für Roman S. Entleerungswahn vorgenommen wurde, fing es an wie aus Kübeln zu schütten und zu Gewittern. Zum ersten Mal kam die Regenkleidung zum Einsatz.YES!Ein kleiner Felsvorsprung bot kurzen Unterschlupf. Auch diese Situation wurde von den Planlosen bravurös gemeistert und bereits am Abend war bei einem Bier am traumhaften Sarner See keine Rede mehr davon. Auch nicht davon, dass Roman S. das letzte Teilstück aufgrund von Knieschmerzen von seinem Kameraden über Gipfel und Täler gezogen werden musste. Am nächsten Tag wurde die Heimfahrt von Luzern aus mit der Bahn schweren Herzens angetreten und wegen Budgetmangels wurde die Überquerung der Schweizer Grenze noch ein letztes Mal mit dem Rad vorgenommen.
Die Tour de Suisse bleibt für beide Planlosen ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis. Der Klausenpass ist bereits eine Legende und dieses Ereignis löste nun beim FCP einen wahren „Radwahn“ aus, sodass heuer im Mai, die schönste Radstrecke der Welt – Passau/Wien auf dem Programm des FCP stand.

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