FC Planlos '05 Karlsruhe » Fiasko, Katastrophe, Skandal


Ettlingen – Zur siebten Ettlinger Hobby-WM hat sich nun wirklich niemand, aber auch niemand mit Ruhm bekleckert. Den Akteuren des FC Planlos reichte es nicht, bis zum Hals in der Scheiße zu stecken, sie mussten noch einen draufsetzen und den Kopf hängen lassen. Der Unmut war gnadenlos:

Die Vereinsspitze zeigte sich bereits in der Vorbereitung auf das Turnier als demokratisch immobil. Es wurde zwar darauf hingewiesen, dass der Kader für das Turnier bedrohlich klein war, dennoch wurden keine Anstrengungen unternommen, dem Problem entgegenzuwirken. Letztlich lag es an den Herren Paolo und Matteo Riatti, auf letzte Sekunde alte Kameraden abzubremen. Unter den fast 30 Rekrutierungsvorschlägen fanden sich am Abend vor dem Turnier 22 Verletzte, 6 unzuverlässige halb-Zusager und 2 Dolchstoßlegionäre. Erst am Morgen vor dem Turnier gelang es Paolo Riatti mit Luis ‚Gustavo‘ und Aaron ‚Hunt‘ Verstärkung anzuheuern. Die einst für solche Fälle zur Verfügung gestellte Telefonliste schlug fehl und die Bereitschaft, neue Kräfte für Turniere anzuheuern wurde durch das von jedem Spieler für selbstverständlich gehaltene Vetorecht zur Unmöglichkeit (Zitat eines Spielers im O-Ton: „Den kenn ich nicht, der muss ein Arsch sein, ich bin dagegen“). Zwischenzeitlich wurden sogar „Bingel-back“- oder gar „Für-Frederick“-Rufe laut. Jedoch konnten auf dem Gebiet die Werte gewahrt und eine Absolution ausgeschlossen werden.

Der nächste Skandal ließ nicht lange auf sich warten. Kassenwart Paolo Riatti hatte die Teilnahmegebühr für die Hobby-WM nicht korrekt überwiesen, sodass ein Ausschluss aus dem Turnier drohte. Zu seiner Entschuldigung: die Verantwortlichen der Organisation hatten eine fehlerhafte Kontonummer angegeben. Dennoch schien Paolo Riattis sorgloser Umgang – das nicht Gegenprüfen – eine Teilschuld zu haben. Presidente Francesco Riatti konzentrierte sich darauf, die Moral des Teams komplett zu begraben indem der in organisatorischen Fragen komplett Unbeteiligte Ohrfeigen in alle Richtungen verteilte.

Zur größten Verunsicherung trug aber ohne Frage Maximilian H. bei. Der sonst gefeierte FC Planlos Keeper, der sich in manchen Turnieren in die Herzen der Fans pariert hatte, enttäuschte auf ganzer Linie. Zwar war es Paolo Riatti, der Max H.’s Verpflichtung als „weitestgehend gesichert“ angemeldet hatte, aber Max H. gab sich nicht die Blöße aus der letzten Meldung ein „unverschämt unzuverlässig“ werden zu lassen. Am Samstag vor dem Turnier wurden mehrere Kanäle aktiviert: SMS, WhatsApp, Handy, Festnetznummer. Sogar Max H.’s Mutter zeigte sich kooperativ, versuchte die mehreren Anrufe durchzustellen, ihr Enfant Terrible reagierte jedoch auf keine der Kontaktaufnahmen. Dabei war Max H. sogar darum gebeten worden, einfach rechtzeitig abzusagen, falls ihm etwas dazwischen gekommen sein sollte. Mit einer Feigheit und Unzuverlässigkeit, die sich nicht einmal Neymar bei der Selecao erlauben dürfte, bewies Max H. was für ein Kamerad er ist: solch einer der Anne Frank für das Copyright ihres Tagebuchs verraten hätte.

Dankbar über die Ablenkung durch Max H.’s Verrat konnte der andere Verkäufer sein, der sich ebenfalls einen Skandal erlaubte: Lukas P. – nach eigenen Angaben verhindert wegen des Verfassens seiner Diplomarbeit (zu der ihm der Verein nach wie vor Glück und Gelingen wünscht) – verzechte das Wochenende von dem er behauptete, seinen Studiumsabschluss voranzubringen. Dass der ehemalige Kapitän statt der Bibliotheksbank die interaktive Samenbank drückte, beraubte ihm seiner Entschuldigung der Abwesenheit zum Turnier.

Und schließlich mutierte am Tage des Turniers auch die Veranstaltungsleitung zur Farce. Das Gruppensystem war Gegenstandslos: 21 Teams wurden aufgeteilt in Gruppen von 6,6,5,4. Nach der Gruppenphase ging es in ein Achtelfinale. Damit qualifizierte sich etwa auch der Letztplatzierte der Gruppe D. Aus Respekt vor dem bestehenden Turnier in Ettlingens Mitte, wird an der Stelle auf weitere Kommentare verzichtet.

 

Turnierverlauf:

Der FC Planlos trat mit einer grandiosen Abwehrleistung auf. Das System „Mourinho“ wurde perfektioniert. Jedes Tempo aus dem Spiel genommen wartete man auf die eine Gelegenheit und lies sich von feindlichen Angriffen unbeeindruckt. Die Zweikampfstärke arbeitete definitiv für den FCP. Die Abschlussschwäche im Sturm wirkte jedoch konträr. So trennte man sich nach dem ersten Spiel gegen die „Sportfreunde Pogo“ mit einem 1:1. Es folgte je ein 1:0 Sieg über „Jambalaya“ und die „Pils Kicker“. Im letzten Spiel der Gruppenphase fehlte es jedoch gehörig an Würze (bei einem Gruppenmodus in dem gefühlt ohnehin jeder qualifiziert war – kein Wunder!), so verlor man fast widerstandslos mit 0:1 gegen die „Südwest Boys“.

Das Achtelfinale gegen den „FC ungeputzte Kickschuh‘“ war eine Kopie des letzten Spiels der Gruppenphase: null Begeisterung, null Tempo, null Aggression. Als Kapitän Marco Riatti alles auf eine Karte setzen wollte, wurde sein gefährlicher Steilpass abgefangen und zum Leidwesen des FC Planlos im Konter zum 0:1 Rückstand verwandelt. Am Ende wurde alles (selbst der rotierende Torwart) nach vorne geworfen. Obwohl es Chancen gab, semmelten die Akteure den Ball à là Bonucci in die Ettlinger Schrebergärten. Schließlich gelang den ‚ungeputzte Kickschuh‘ ein Befreiungsschlag aus dem Powerplay und so schlossen sie das Spiel mit einem 2:0 zum Endstand.

Damit fühlt sich der FC Planlos sechs Jahre zurückversetzt, zum letzten Ausscheiden in einem Achtelfinale der Hobby-WM. Schmerzen wird jedoch: damals hätte man auch tatsächlich in der Gruppenphase rausfliegen können und damals gab man sich im Achtelfinale gegen eine starke marokkanische Mannschaft geschlagen. Dieses Mal war die Gruppenphase geschenkt und der Achtelfinalgegner ein in eigener Einschätzung schwächerer.

 

Spielernoten:

Francesco “Presidente” Riatti: 5

Der Presidente wurde überwiegend im Sturm eingesetzt. Dort erlaubte er sich mitunter die peinlichsten Klackser. Zweimal alleine vorm Tor misslang ein einfacher Pass zum Mitspieler für einen sicheren Siegtreffer. Beide Male hätte der Präsident auch selbst abschließen können. Keine Tore und ein sinkendes Selbstbewusstsein. Das kennt man anders. In Zeiten in denen F. Riatti es auch mal rappeln lies. Wo ist der Mut? Steht der „Paintrain“ auf dem Abstellgleis?

Marco „Capitano“ Riatti: 4

Der Kapitän tat, was der Kapitän tun konnte. Die Abwehr wurde organisiert und hielt beeindruckend gut. Dennoch hakte es: so erlaubte sich Marco Riatti ein von Fehlpässen geplagtes Agriffsspiel. Es war auch sein bedrängnisloser Schlag nach vorne, der zum Ausscheiden im Achtelfinale sorgte. Auch beim Capitano fehlte das Feuer, mit dem er sonst seinen Mitspielern die Arschbacken verbrannte, wenn diese mal nicht rennen sollten.

Matteo Riatti: 4

Der Unruheherd des FC Planlos kochte nur auf Sparflamme. In der Abwehr grätschte er sich zwar äußerst entschlossen die Knie wund, – das auch fast fehlerfrei – machte aber nach vorne nur selten die Meter die ihm im vergangenen Jahr zum besten Vereinsschützen gemacht hatten. Die drei Schüsse aufs Tor, die er verzeichnete wurden bestenfalls der Eckfahne oder dem Wetterballon gefährlich. Immerhin stimmte die Kondition, sodass er beim akuten Spielermangel nur selten ausgewechselt werden musste.

Paolo Riatti: 5

Blieb vollkommen hinter den Erwartungen – auch den eigenen – zurück. War nur selten ordentlich Anspielbar. Sein erstes Tor war ein gut herausgespieltes, ansonsten suchte man ihn vorne vergebens. Die einfachsten Bälle wurden nicht prallen gelassen, freistehende wurde keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Als Stürmer verfehlte Paolo Riatti die Wirkung. Ihm ist jedoch zu Gute zu halten, dass sich sein Zweikampfverhalten enorm verbessert hat. So macht er im Mittelfeld den ein oder anderen Ball klar, mit dem man nicht mehr gerechnet hatte.

Roman „Gipsfuß“ Svoboda: 5

Blieb über weite Strecken des Turniers unauffällig. Litt unter der schlechten Absprache mit den anderen Stürmern und den leider oft unpräzisen Zuspielen aus der eigenen Abwehr. Konnte so zwar ein Tor verzeichnen, für das er zwar goldrichtig stand, mehr aber auch nicht. Ein Torpfosten hätte eleganter abgeschlossen. Auch hier muss gefragt werden: „Donde esta el fuego, senor Svoboda?“

Aaron: 3

Der Neuzugang hinterließ einen starken Eindruck. Anders als die Planlosen war er wenig verwirrt von dem Vorabendfiasko und konnte sich so auf sein überragendes Abwehrspiel konzentrieren. Aaron lies jeden Angreifer abbrühen, eroberte die Bälle mit zwei Ausnahmen fehlerfrei und leitete schnelle Angriffe ein. Dabei kam der letzte Pass jedoch gelegentlich die entscheidende Sekunde zu spät, zum Leidwesen der ohnehin unsicheren Stürmer.

Luiz: 3-4

Luiz hatte hauptsächlich mit der für ihn noch unklaren Spielaufteilung des FC Planlos zu kämpfen. Er stand oft in der Mitte von Gut und Böse. In der Abwehr souverän, nach vorne dann gelegentlich zu unentschlossen die schnellen Meter zu wagen oder nicht. Auch im Abschluss haperte es. Dabei hatte er viele der gefährlichsten Vorstöße eingeleitet.

Lukas „Brutus“ P.: Spielernote “Arsch”

Erdolchte die eigenen Leute mit seinem Geständnis im Senat vor Beginn des Turniers. Spielte lieber mit seinen eigenen als mit Fußbällen. Verdribbelte sich deshalb in Bayreuth oder Bamberg, oder wo auch immer er studiert. Doppelpässe gelangen ihm nur mit seinem Freund Jack Daniels. Und der einzige Fan der Applaudierte („so ne Asiatin“) wurde dafür bezahlt ihm zuzujubeln. Aber entschuldigte sich immerhin und schwor Besserung.

Maximilian „Judas“ H.: Spielernote “Arsch +++”

Legte den FC Planlos im wahrsten Sinne des Wortes „aufs Kreuz“. Verweigerte jede Kontaktaufnahme und muss sich wohl für geiler-denn-Geil gehalten haben, nicht wenigstens Bescheid zu geben, man müsse sich nach einem anderen Mitspieler umschauen. Feige, feige, feige.

 

Dante Alighieri – Die Göttliche Komödie XXXIV

„Doch finden die gräulichsten Sünder dieser Art ganz im Mittelpunkte [der Hölle] ihre besondere Strafe, indem Dis, das Oberhaupt der empörten Engel [der Teufel], dort eingepfählt ist, und mit […] Rachen den Judas [Max H.], […] und Brutus [Lukas P.] fortwährend zermalmt.“

 

Das war Greg Brudette, FCPN, irgendwo im Badnerland.

1 Comment »

  1. Immerhin funktioniert die Öffentlichkeitsabteilung des FCP :)

    Vielen Dank für die mal wieder auf den Punkt getroffene Zusammenfassung.

    Es lebe der FCP

    Comment by koki — July 1, 2013 @ 15:27

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